Zunächst einmal: Deutschland ist eine repräsentative Demokratie. Von daher ist es nachvollziehbar und korrekt, dass es nie eine Volksabstimmung über die Euro-Einführung gab. Dennoch ist es falsch zu behaupten, die Bevölkerung sei nie gefragt worden. Die fehlende Volksabstimmung wird von vielen zwar als Manko empfunden, das damalige Verfahren sah aber eine solche Volksabstimmung schlicht nicht vor. Zwar steigt der Anteil der direkten Bürgerbeteiligungen, jedoch beginnt dieser Wandel erst langsam und erst seit den Ereignissen im Jahr 2010 (Stuttgart 21 lässt grüßen). An der Legitimation des Euro lässt sich deshalb aber in keiner Weise rütteln: Die Regierung ließ den Maastricher Vertrag den Bundestag passieren, wenn die Bürger dies nicht gewollt hätten, hätten sie damals eine andere Regierung wählen müssen. Zudem vergessen viele: Die Deutsche Mark wurde der Bevölkerung durch die Siegermächte im Jahr 1948 aufgezwungen. Dies erfolgte sogar ca. 1 Jahr noch vor der ersten Bundestagswahl. Das Ergebnis war, dass das Vermögen vieler Menschen schlicht wertlos wurde. Die D-Mark wurde somit dem Bürger in wesentlich stärkerem Ausmaße “aufgezwungen”, als dies bei dem Euro bei Vielen im Verdacht steht. Somit müsste der Euro eigentlich wesentlich besser angenommen werden, als die D-Mark. Es stimmt zwar, dass die D-Mark rückblickend ein Erfolg war und den wirtschaftlichen Wohlstand Deutschlands sicherte, die bessere Währung als der Euro muss es daher aber trotzdem nicht sein.
Quelle: Spiegel-Online, Artikel “Die fatalen Irrtümer der D-Mark-Nostalgiker” vom 16.03.2011Die Deutschen wurden nie gefragt, ob sie den Euro wollen
15. Mai 2011 | Keine Kommentare