Dieser Mythos ist falsch. Überall liest man es und das schon seit einigen Monaten: “Der Euro steht am Abgrund”, der “Euro wird untergehen und mit ihm ganz Europa”. Was sich die gemeinsame Währung dieser Tage anhören muss, ist wahrlich alles andere als erbaulich. Doch stimmt die Darstellung der Medien überhaupt oder ist diese etwas, nun ja, sagen wir “realitätsverzerrend” oder ideologische Meinungsmache (oftmals seitens des kapitalismuskritischen Spektrums)? Wer ist überhaupt “schuld” an der aktuellen Krise? Diese Frage wird leider viel zu wenig beleuchtet, zu schnell kommen altgediente Anti-Kapitalismus-Argumente auf die Bildfläche. Die Rating-Agenturen sind schuld, die Zocker und Spekulanten reißen ganze Staaten ins Verderben und sowieso sind alle Banker und Manager Diener des puren Bösen…
Eine etwas zu einseitige Sichtweise wie sich mit Fortschreiten der Krise immer mehr zeigt. Und eine falsche, vermutlich ideologisch motivierte noch dazu.
Fakt ist: Der Euro ist nach wie vor eine sehr starke Währung, nach wie vor mit Potential zur Weltwährung und derzeit mehr wert als der ehemals sichere Hafen Dollar. Trotz des aktuell eher niedrigeren Euro-Kurses bekommt man noch immer 1,28 Dollar (Stand: 10.01.2012) für einen Euro.
Nach wie vor ist der europäische Binnenmarkt einer der stärksten und erfolgreichsten. Wo also liegt der Fehler?
Euro als Elite-Währung
Vielleicht muss man einfach einmal mit einfachen Beispielen erklären, was der Euro ist und wieso manche Staaten derzeit mit dem Euro überfordert sind und deshalb von einer Euro-Krise reden: Der Euro ist vergleichbar mit einem Porsche oder Ferrari (immerhin ist er die Welt-Reservewährung Nummer zwei). Fast jeder möchte ihn haben, nur wenige sind in der Lage, ihn zu unterhalten oder abzubezahlen. Nicht anders verhält es sich mit dem Euro. In der Tat ist der Euro eine Art Elite-Währung, derer man sich “würdig” erweisen muss.
Hierzu dienten die Maastricht-Kriterien der EU als Orientierungshilfe. Der Staat, welcher diese Kriterien einhielt (zusätzlich zu anderen Faktoren) war prinzipiell “euro-würdig“. Das Problem der aktuellen Krise ist dann die menschliche Natur:
Jeder möchte etwas vom Kuchen abhaben und somit wollten viele den Euro um jeden Preis. Zur Not wurden die Staatsbilanzen gefälscht, um sich der Währung “würdig” zu erweisen (Griechenland). Nachdem die Formalitäten erfüllt waren, konnte der Euro somit in diesen Ländern eingeführt werden.
Nun möchte so ein Sportwagen aber auch unterhalten werden. Im Falle des Euro bedeutet dies, dass die eigene Wirtschaft reformiert werden muss, um im plötzlich internationalen Vergleich gut dastehen zu können. Es gab nicht mehr die Möglichkeit die Lire oder die Drachme einfach abzuwerten und so der eigenen Wirtschaft “staatlich subventioniert” auf die Sprünge zu helfen. Man wurde ins kalte Wasser des Konkurrenzkampfs geworfen und musste sich somit im Wettbewerb mit anderen Volkswirtschaften bewähren. Reformen wurden zu zaghaft umgesetzt (mit Ausnahme ehemaliger Krisenkandidaten und heutigen “Geberländern” wie Finnland).
Manche Euro-Staaten waren mit der neuen Währung und den “AGBs des Euro” schlicht überfordert (Griechenland, Spanien, Irland, Italien) und haben nun ein Schuldenproblem. Dieses Problem liegt aber an der Reformunwillig- oder unfähigkeit der Regierungen und einer katastrophalen Haushaltspolitik, die viel zu sehr auf Schuldenmacherei setzt (Deutschland eingeschlossen).
Effektivität, Effizienz und gesundes Wirtschaften in den Haushalten der Staaten waren Fehlanzeige. Zugegeben, auch Deutschland müsste hier schlechte Noten bekommen, kann hier aber durch seine starke Wirtschaft die Schuldenbilanz etwas schönen. Weder Spekulanten, noch Banken tragen an dieser Entwicklung schuld. Banken sind nun jedoch die Sündenböcke, weil sie damals den staatlichen Reibach finanziert haben (finanzieren mussten?).
Mit dem Euro als Währung hat die ganze aktuelle Krise relativ wenig zu tun. Er ist nach wie vor sehr stabil und zukunftsfähig. Es könnte zwar tatsächlich das Ende der gemeinsamen Währung sein, aber aus anderen Gründen (Verstöße gegen die AGBs des Euro durch reformunfähige Staaten). Nicht aufgrund des Euros an sich. Dieser würde einwandfrei funktionieren und vielleicht sogar Weltwährung werden, wenn sich alle an die Spielregeln des gemeinsamen Euro-Raumes hielten. Solange dies nicht der Fall ist, kann die Schuldenkrise zur Krise FÜR den Euro werden. Es ist aber keine Krise DES Euro.
Und Rating-Agenturen bewerten nur, was sie sehen und bewerten können. In diesem Falle ist dies eben eine schlechte Haushaltspolitik einiger Mitgliedsländer der EU/des Euro-Raumes. Und dies darf durchaus gesagt werden. Die Agenturen deswegen zu verurteilen, wäre, wie wenn man Lehrern vorwirft, wenn sie schlechte Noten für schlechte Leistungen vergeben. Ein Walldorf-Prinzip ohne Leistungsbewertung für Finanzmarktteilnehmer wäre sicherlich fatal…
Quelle: Artikel “Die vielen Mythen der europäischen Schuldenkrise” auf Welt-online, Stand: 10.01.2012 und diverse andere Quellen Kernauszug als Zitat aus o.g. Artikel zum o.g. Mythos:Notenbanker und Ökonomen sprechen deshalb statt von einer Euro-Krise von einer Staatsschuldenkrise in einzelnen Euro-Ländern. Aber auch dieser Begriff greift zu kurz. Denn natürlich sind die Staaten durch ihre Währung verbunden. Im Währungsraum gibt es große Probleme, weil die Staaten sehr unterschiedlich gewirtschaftet und dadurch die Währungsunion unter Spannung gesetzt haben. Der Währungsraum war auf so einen Krisenfall nicht vorbereitet. Am korrektesten wäre deshalb die Bezeichnung „Krise der Währungsunion“.Wir haben eine Krise des Euro
Die Argumentation: Ohne Euro wäre die Verschuldung Griechenlands ein isoliertes Problem. Nur durch den Euro sind die Athener Schulden eine Gefahr für die gemeinsame Währung. Geht Griechenland pleite, könnte die Krise auf andere Staaten wie Spanien oder Italien übergreifen. Anleger könnten auch ihnen kein Geld mehr zur Finanzierung ihres Haushaltes leihen, auch diese Staaten wären pleite. Eine Rettung Italiens könnte sich die Währungsunion aber nicht mehr leisten, weil sie Staaten wie Deutschland überfordern würde. Die Währungsunion droht zu zerbrechen. So ist es wirklich: Der Begriff Euro-Krise ist nicht ganz korrekt. Richtet man den Blick ausschließlich auf die Gemeinschaftswährung, zeigt sich: Der Euro ist stabil. Trotz der Turbulenzen in den vergangenen 18 Monaten hat er gegenüber dem Dollar kaum an Wert verloren. Auch seine Funktion als Weltreservewährung Nummer zwei war nie in Gefahr. In den ersten zwölf Jahren hat die Währung zudem gehalten, was bei ihrer Einführung versprochen wurde: Die Inflationsrate war mit zwei Prozent niedriger als zu Zeiten der Bundesbank.